Arzneimittelherstellung

Eine aus der Natur entnommene Heilsubstanz kann nur in seltenen Fällen ohne Anwendung eines pharmazeutischen Verfahrens im menschlichen Organismus eine Heilwirkung entfalten. Somit ist das Herstellungsverfahren Bindeglied zwischen Natursubstanz und Mensch. Es kommt dabei nicht nur auf die arzneiliche Form an, in welcher ein Stoff verabreicht wird (Tabletten, Pulver, Tropfen, Salbe usw.), sondern auch auf die pharmazeutische Bearbeitung, welche die Substanz so verwandelt, dass sie, vom menschlichen Organismus aufgenommen, die gewünschte therapeutische Wirksamkeit entfalten kann. Somit besteht die Aufgabe des Pharmazeuten darin, in Fortsetzung der Naturgesetzmässigkeit, das gewünschte Heilprinzip in den Stoffzusammenhängen herauszuarbeiten und in eine geeignete arzneiliche Form zu übertragen.

Dazu bedient er sich verschiedenster pharmazeutischer Verfahren, wie z.B.

  • Verfestigungs- und Mineralisierungsprozessen (z.B. kristallisieren, trocknen usw.)
  • Verflüssigungsprozessen (z.B. lösen, schmelzen usw.)
  • Verluftungsprozessen (z.B. destillieren usw.)
  • Verbrennungsprozessen (z.B. verkohlen, veraschen usw.)

Durch die gezielte Anwendung dieser elementar verschiedenen pharmazeutischen Verfahren können die natürlichen Ausgangssubstanzen so zu Arzneimitteln verarbeitet werden, dass besondere Beziehungen zur Wirkungsweise der einzelnen menschlichen Wesensglieder entstehen. Die pharmazeutischen Verfahren nehmen bestimmte, von den Wesensgliedern sonst zu leistende physiologische Prozesse, vorweg. Das Potenzierungsverfahren beispielsweise bewirkt, dass die Heilsubstanz stufenweise durch rhythmische Verschüttelung bzw. Verreibung verdünnt wird und dass das dabei verwendete Verdünnungsmedium (z.B. Wasser) dadurch eine neue, dem Ausgangsstoff entsprechende Konfiguration eingeprägt bekommt. Auf diese kommt es bei potenzierten Arzneimitteln vor allem an nicht allein auf die Stoffmengen, die Verwendung finden.

In der anthroposophischen Pharmazie werden auch Wärmeanwendungen sehr spezifisch zwischen Zimmertemperatur und mehreren 100 Grad Celsius gehandhabt, die der Stofflichkeit dadurch eine bestimmte Qualität geben.

Die vielen möglichen pharmazeutischen Prozesse können in vielfältiger Weise kombiniert werden. Das Gleiche gilt naturgemäss auch für die verwendeten Substanzen.

So wie die Medizin nicht nur Wissenschaft, sondern besonders in der Therapie auch Kunst ist, wird die Pharmazie dann zur Kunst, wenn wirksame Kompositionen der angewendeten Substanzen und Verfahren entwickelt und gehandhabt werden.