Die sinnlich-feminine Duftkomposition: Interview mit dem Parfümeur Andreas Wilhelm

Für Weleda haben Sie nun den Duft der neuen Pflegelinie kreiert. Was hat Sie dabei inspiriert?

„Das Duftbriefing war zugeschnitten auf Frauen ab 40 und sah eine Erweiterung der Weleda Duftpalette vor. Wesentliche Elemente des Briefings waren: fruchtig, aktivierend, feminin. Der Duft sollte dazu inspirieren, das Alte anzuschauen und neue Wege zu entdecken. Dann tauchte ich ein in die Welt des Granatapfels und liegt die Inspirationsquelle eindeutig im orientalischen Bereich. Das kräftige und besondere Rot des Granatapfels hat mich stark beeindruckt. Der Duft wirkt nun wie eine kräftige Farbe. Die Hauptkomponenten sind Blutorange und Davana. Blutorange ergibt den fruchtigen, aktivierenden Teil, Davana eignet sich gut, um der Gesamtkomposition eine orientalische Note zu verleihen.“

Warum wird der Duft als sinnlich-feminin beschrieben?

„Der Duft wurde aufgrund des Sandelholz-Vanille-Komplexes als sinnlich klassifiziert. Der gesamte Duftakkord wird als feminin erlebt.“

Bei Weleda arbeitet man ausschließlich mit echten ätherischen Ölen. Macht es für Sie einen Unterschied, ob sie mit synthetischen Duftstoffen oder natürlichen ätherischen Ölen arbeiten?

„Allerdings. Natürliche ätherische Öle sind aufgrund ihrer Zusammensetzung sehr viel komplexer. Die populärste Jasminnote (Hedione) im synthetischen Bereich besteht zum Beispiel aus einem Molekül. Das Äquivalent als natürliches ätherisches Öl dagegen besitzt mehrere Hundert Bestandteile. Das macht die Arbeit sehr viel komplizierter, aber auch spannend.“

Verraten Sie uns abschließend noch ein Geheimnis: Wie gehen Sie beim Parfümieren vor?

„Ich versuche, in die Atmosphäre der Zielgruppe, in die Bilderwelt der Pflanzen, zum Beispiel die des Granatapfels, und in das Wirkungsprofil des Präparates, einzutauchen, denn die Parfümierung soll mit diesem Kern des Präparates verschmelzen. Dadurch erhält der Duft, neben der parfümistischen Qualität, auch eine auf die Zielgruppe abgestimmte aromatherapeutische Dimension.“