


Der Granatapfel ist eine unserer ältesten Kulturpflanzen und gilt in zahlreichen Religionen und Kulturkreisen als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und sinnliche Schönheit. Bereits seit Jahrtausenden wird diese Pflanze an den Küsten des Mittelmeeres, in Vorderasien und in Indien kultiviert. Hier, in diesen herben Landschaften, ist der „Punica granatum“ nicht zu übersehen: geheimnisvoll und selbstbewusst strahlen die Früchte wie Lampions in der spröden Umgebung.
Um ihrer Schönheit zu huldigen, soll schon der trojanische Königssohn Aphrodite einen Granatapfel geschenkt haben. Auch in den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht ist der Granatapfel nicht zu überlesen und es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass Eva Adam im Paradies einen Granatapfel angeboten hätte.
Bei der Granatapfel-Pflanze lässt sich beobachten, dass seine Wachstumsprozesse nicht linear ablaufen – erst Knospen, dann Blühen, zuletzt Fruchten, sondern fließend ineinander übergehen. Dank dieser außergewöhnlichen Lebensprozesse entfaltet der Granatapfel eine dynamisierende Wirkung, die uns ab dem 42.-45. Lebensjahr von grossen Nutzen sein kann. Denn bis anhin hatten wir vor allem eine Zukunft – nun haben wir plötzlich auch eine Vergangenheit. In dieser herausfordernden und spannungsreichen Zeit ist der Granatapfel mit seiner Wirkung ein entspannender Begleiter. Mit seiner Hilfe kann in diesem Lebensabschnitt die äußere Schönheit mit der inneren Ausstrahlung in Einklang kommen.



Augenfällige Kontraste zeigen sich auch bei der weiteren Beobachtung: Statt wie üblich grün sind die Knospen von intensivem Korallenrot – und wirken damit bereits blütenartig. Statt dünn und blättrig sind die Kelchblätter dick und fleischig – und lassen so die Knospe bereits furchtartig wirken. Fast könnte man meinen, dass mit dem Auseinanderklappen der Kelchblätter bereits die Samen herausfallen – und siehe da: auch die Samenanlagen sind beim Aufschneiden in der Knospe erkennbar.
Und so ziehen sich Gegensätze und zeitlichen Verschränkungen wie ein roter Faden weiter: statt wie üblich in die Umwelt zu verströmen, bleibt die Blüte bei sich – sie duftet nicht. Statt zuerst grün und dann allmählich rot zu werden, ist es bei der Frucht genau umgekehrt: zu Beginn ist sie rot und wird beim Wachsen immer grüner (erst zur Reifezeit wieder sie unversehens wieder rot bzw. gelb). Damit nicht genug: Während die Pflanze in vielen Wachstumsstadien auf kommende Ereignisse vorgreift, erinnert sie an anderen Orten deutlich an vergangene Entwicklungsstufen. So weist die Frucht auf ihrer äusseren Spitze immer noch markante Kelchblätter und sogar Staubgefässe auf.
Es wird deutlich: während bei Pflanzen üblicherweise die einzelnen Stadien des Knospens, Blühens und Fruchtens zeitlich getrennt und klar nacheinander verlaufen, vollziehen sich hier die Prozesse in einer Art Gleichzeitigkeit. Dies macht einen Teil des Geheimnisses aus, welches die Granatapfelpflanze zu jeder Zeit umgibt: Sie kennt kein Heranwachsen nach Schema X, kein Aneinanderreihen von in sich abgeschlossenen Lebensstadien. Es gelingt ihr, Vergangenes und Zukünftiges fliessend ineinander übergreifen zu lassen. Die Granatapfelpflanze lebt also in einem dynamischen Seinszustand, in dem Reife und Jugendlichkeit zeitgleich zum Ausdruck kommen, in dem Vergangenheit und Zukunft stets präsent sind.