
Julie Tyrrell ist Sprecherin der internationalen Interessenvertretung für Bio- und Naturkosmetik, NaTrue. Mit den Weleda Nachrichten sprach sie über die Gründe, warum das neue Gütesiegel von NaTrue so wichtig ist.
Was war der Anlass zur Gründung von NaTrue?
Naturkosmetik war lange ein Nischenmarkt mit wenigen Pionierfirmen, die allesamt hohe Ansprüche an Naturkosmetik und Bioqualität stellen – Ansprüche, die auch von den Konsumenten geteilt werden. Heute boomt dieser Markt weltweit mit zweistelligen Zuwachsraten. Es sind viele neue Anbieter dazugekommen. Sie haben zum Teil völlig andere Vorstellungen von Naturkosmetik-Qualität. Das liegt zum einen daran, dass die Begriffe «Naturkosmetik» oder «Biokosmetik» nicht klar definiert und rechtlich geschützt sind. Einige Pionierfirmen der Naturkosmetik, darunter auch Weleda, haben sich deswegen im Jahr 2007 in der Interessenvertretung NaTrue zusammengeschlossen. Sie steht allen Herstellern authentischer Naturkosmetik offen, tritt für eine hochstehende Naturkosmetikdefinition ein und vertritt die Interessen der Mitglieder. Sie dient auch als gemeinsame Plattform, um zukünftige wissenschaftliche Studien durchzuführen und hochwertige Rohstoffe für Naturkosmetik zu sichern.
Wie wurden die Kriterien entwickelt?
Gleich zu Beginn waren sich alle Initianten einig, dass sich die Kriterien einzig am Interesse der Konsumenten orientieren sollen. Sie haben ein Recht zu wissen, was in einem Produkt in welcher Qualität und Quantität zu finden ist. Deswegen wurde entschieden, den Bio-Gehalt durch drei Stufen sichtbar und alle Kriterien transparent zu machen.
Auf dieser Grundlage wurden die Kriterien von einem Fachausschuss ausgearbeitet. Bei der Zusammensetzung des Ausschusses wurde darauf geachtet, das grösstmögliche Fachwissen zu vereinen. Neben den wissenschaftlichen Experten der Naturkosmetikpioniere gehörten ihm auch wissenschaftliche Mitarbeiter grosser konventioneller Kosmetikhersteller und weitere Experten an, die hohes Wissen von Kosmetikentwicklung vereinen. So entstand ein kreativer Prozess, eine gemeinsame wissenschaftliche Ausarbeitung, an deren Ende Kriterien stehen, die dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen.
Warum benötigen Konsumenten und Hersteller ein neues Label für Naturkosmetikprodukte?
Es gibt unzählige Labels, die häufig auf nicht vergleichbaren oder kaum nachvollziehbaren Kriterien basieren. Für den Konsumenten ist es unmöglich, Gütesiegel zu unterscheiden und fundierte Kaufentscheidungen zu treffen.
Das NaTrue-Label liefert eine qualitätsbezogene und transparente Definition für natürliche und biologische Kosmetik und sorgt so für eine klare Richtlinie.
Wie unabhängig ist das Label?
NaTrue ist nicht gewinnorientiert und die Mitgliedschaft in der Interessenvereinigung ist keine Bedingungen für die Zertifizierung – ein wichtiger Faktor, auch für kleinere Hersteller. Der Zertifizierungsprozess basiert auf dem Prinzip der geteilten Verantwortung.
Der wissenschaftliche Ausschuss von NaTrue ist der Wächter der Kriterien – er stellt den Qualitätsstandard sicher. Zu diesem Ausschuss gehören nicht nur NaTrue-Wissenschaftler, sondern auch Experten internationaler Unternehmen und unabhängige Beobachter. Weiter sind unabhängige Organisationen zur Überprüfung von Gütesiegeln für die regelmässige Kontrolle des Labels verantwortlich. Sie arbeiten mit den von NaTrue zugelassenen Zertifizierern zusammen.
Das NaTrue-Label legt viel Wert auf Transparenz. Warum ist das so wichtig?
Die Konsumenten haben hohe Erwartungen an die Qualität von Kosmetika und müssen wissen, ob diese Anforderungen mit Naturstoffen zu erreichen sind oder nicht. Das NaTrue-Label informiert den Verbraucher ehrlich darüber, ob Produkte den höchstmöglichen Gehalt an natürlichen Stoffen haben, Hilfsstoffe natürlichen Ursprungs sind und die Verarbeitungsverfahren von natürlichen Stoffen ausgehen. Nur durch Transparenz können wir Vertrauen gewinnen.
Was könnte dem weiteren Wachstum des Naturkosmetikmarkts schaden?
Ein undurchdringlicher Dschungel von Standards, die auf nicht vergleichbaren und nicht nachvollziehbaren Kriterien basieren! Genau deswegen ist ein transparenter internationaler Standard auf der Grundlage von solider Wissenschaft unerlässlich. Naturkosmetik ist mehr als ein wirtschaftliches Verbrauchsgut, sie basiert auf Werten, sie hat eine Kultur, sie hat eine Geschichte, sie hat eine Seele. Und eben diese Seele muss bewahrt werden, um die Branche zu schützen und den Konsumenten durch strenge Kriterien authentische Produkte anzubieten, die sie sich wünschen und die sie verdienen. Aus diesem Grund wurde das NaTrue-Label von Pionieren der Branche wie Weleda entwickelt und in ein ganzheitliches Label-Managementsystem integriert, das auf dem Prinzip der geteilten Verantwortung fusst. Die Vision von NaTrue ist klar: eine Welt, ein Label!
Zur Person: Julie Tyrrell arbeitet in Brüssel und vertritt seit Sommer 2008 die Interessen der Mitglieder- und Gründerfirmen von NaTrue, zu denen auch Weleda gehört.