Ein neuer Stern am Kosmetikhimmel

Mit dem internationalen Öko-Siegel «NaTrue» wird die Qualitätsfrage im Naturkosmetikmarkt neu definiert. Wer das neue Label künftig auf seinen Produkten tragen will, muss höchste Kriterien bei natürlichen Rohstoffen und schonender Verarbeitung erfüllen. Auch Weleda macht mit.

TEXT Christoph Möldner, Michael Leuenberger

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Das Interesse für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und für die eigene Gesundheit hat enorm zugenommen. Dies hat auch Bewegung in den Kosmetikmarkt gebracht: Naturkosmetikprodukte werden immer beliebter und verzeichnen jedes Jahr markante Zuwachsraten. Eine Folge davon ist, dass immer mehr Hersteller am Zukunftstrend teilhaben wollen und deshalb Naturkosmetiklinien auf den Markt bringen. Das Problem: Auf dem Weg aus der Nische in den Massenmarkt wurden die Kriterien für Naturkosmetik nach und nach gelockert. Gut für die, die mit ein Bisschen Grün am lukrativen Geschäft teilhaben wollen, schlecht für die, die weiterhin auf beste Rohstoffqualität, schonende Verarbeitung und soziale Standards beim Anbau setzen. Denn wenn plötzlich alles «Natur» ist, taucht die Frage auf: ist wirklich Natur in der Tube oder nur auf der Etikette?

Etliche Pionierfirmen der Naturkosmetik wie Weleda gründeten aus Sorge um die Wahrung ökologischer und ethischer Grundsätze deshalb vor zwei Jahren die Interessenvertretung NaTrue mit Sitz in Brüssel. Ziel dieser Organisation war es von Anfang an, eine Definition von Naturkosmetik zu schaffen, die sich allein am Interesse der Konsumenten orientiert. Denn sie sollen sicher gehen können, dass auch tatsächlich «Bio» drin ist, wo «Bio» drauf steht. Mit dem neu lancierten Öko-Siegel NaTrue wird die Spreu vom Weizen getrennt. Das Wichtigste daran: NaTrue ist ein weltweit einheitliches Siegel, das im Gegensatz zu bisherigen nationalen Regelungen international gültig ist. Im Frühling 2009 kommen die ersten Weleda Produkte auch in der Schweiz mit der neuen NaTrue Auszeichnung auf den Markt. Im Verlauf des Jahres werden weitere Produkte folgen. Wir erklären hier die entscheidenden Unterschiede (beachten Sie auch das Interview auf der folgenden Doppelseite):

Hoher Standard:
NaTrue garantiert hohe Produktqualität und höchste Ansprüche an Natürlichkeit, sichergestellt durch den hohen Standard der Kriterien. Diese sind transparent und nachvollziehbar. Die höchste Stufe ist nur sehr schwer zu erreichen. Das ist so gewollt, denn Unternehmen sollen einen Anreiz bekommen, ihre Produkte ständig zu verbessern.

Weltweit gültig:
NaTrue ist das erste international konzipierte Siegel für Bio- und Naturkosmetik und schafft damit Klarheit im Label-Dschungel.

Unabhängige Kontrolle:
Die Qualität der Kriterien wird von NaTrue und seinem wissenschaftlichen Ausschuss überwacht. Die Prüfung der Rezepturen wird von unabhängigen Zertifizierungsunternehmen durchgeführt. NaTrue ist eine non-profit Organisation.

Ausführliche Informationen unter www.natrue.org und www.natrue-label.com

Naturkosmetik

Das NaTrue-Siegel mit einem Stern bürgt für echte Naturkosmetik. Es definiert, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind und welche Verfahren zu ihrer Verarbeitung eingesetzt werden dürfen. Nur schonende Verfahren sind erlaubt. Für die Inhaltsstoffe gelten strenge Höchst- und Mindestgehalte für 13 Produktkategorien.

Naturkosmetik mit 70% Bio-Anteil

Es gelten die Kriterien des NaTrue-Siegels mit einem Stern. Darüber hinaus gelten höhere Mindestgehalte an unveränderten Naturstoffen: Mindestens 70 % davon müssen aus kontrolliert biologischer Erzeugung und/oder aus kontrollierter Wildsammlung gemäss den Kriterien der EG-Öko-Verordnung stammen.

Biokosmetik mit 95% Bio-Anteil

Es gelten die Kriterien des NaTrue-Siegels mit zwei Sternen. Darüber hinaus gelten noch höhere Mindestgehalte an unveränderten Naturstoffen: Mindestens 95 % davon müssen aus kontrolliert biologischer Erzeugung und/oder aus kontrollierter Wildsammlung gemäss den Kriterien der EG-Öko-Verordnung stammen.

Wasser zählt nicht!

Das NaTrue-Siegel beugt einer «Verwässerung» der Kriterien konsequent vor: Wasser ist zwar ein Naturstoff, fällt aber nicht in die Berechnung des Naturstoffanteils, wie das bei vielen Labels üblich ist. So wird verhindert, dass nur durch Beimischung von Wasser die Summe an Naturstoffen erhöht werden kann.

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