Zurück zum Schwangerschaftskalender | 39. Woche

Glück oder Überforderung?

Wie alles im Leben hat auch das Elternsein zwei Seiten. Auf der einen Seite gibt es dieses wahnsinnige Glücksgefühl und eine überwältigende Liebe. Aber Sie werden sich auch an Ihr Kind gewöhnen.

Neu und spannend

Wenn Sie Ihr Kind nach der Geburt in den Armen halten, ist alles neu. Geniessen Sie diese besonderen Momente. Sie lernen sich gemeinsam kennen. Entdecken erste Charakterzüge Ihres neuen, sehr präsenten Kindes. Sie verbringen (hoffentlich) noch viel Zeit im Bett und sind wahrscheinlich auch die ersten Wochen nicht gleich allein, da Ihr Partner Urlaub hat oder Eltern, Schwiegereltern und Freunde die ersten Wochen unterstützend zur Seite stehen. In dieser Zeit haben Sie sicherlich oft das Gefühl, dass Ihr Leben täglich erneut Kopf steht und sich neu sortiert. Doch irgendwann kommt dann der Alltag. Viel schneller, als Sie sich das vielleicht vorstellen können.

Bedingungslose Liebe

Fürsorge, Schutzinstinkt und bedingungslose Liebe für Ihr Kind. Von Mutterliebe oder Vaterliebe sprechen wir, wenn es um diese ganz besonders innige Bindung geht, die Eltern für Ihr Kind empfinden. Ein solches Band kann immer entstehen, wenn die Liebe wächst. Vertrauen und ein liebevoller Kontakt mit dem Baby fördern diese innige Bindung.

Aneinander gewöhnen

Nach sechs bis acht Wochen hat sich vermutlich schon einiges eingespielt und die Zeit des Wochenbetts geht zu Ende. Sie kennen Ihr Baby in der Zeit schon etwas besser und ab und an gibt es sogar erste Regelmässigkeiten. Mal läuft alles ganz gut, mal ist es anstrengend. Trotzdem wird es in den kommenden Monaten immer auch wieder Tage geben, an denen Sie bis zum Nachmittag noch nicht gefrühstückt oder geduscht haben. Weil Sie einfach nicht dazu gekommen sind und das Leben mit dem Baby Sie so auf Trab hält.

Arbeiten und Mama sein?

Wenn Sie planen, gleich nach dem Mutterschutz wieder arbeiten zu gehen, haben Sie sicherlich schon die Betreuung für Ihr Baby organisiert. Es ist gut, keine grossen Ansprüche zu haben an die erste Zeit, in der Sie wieder in den Beruf einsteigen. Wichtig ist, dass dann die Betreuung des Babys gut läuft, so dass Sie im Beruf präsent sind. Und dass Sie, immer wenn Sie nicht arbeiten, gemeinsame Zeit mit dem Baby haben. Es wird viel Kraft kosten, zu arbeiten, das Baby abgeben zu können und alles normal weiterzuführen. Achten Sie gut auf sich, damit Sie in diesen Herausforderungen des Alltags einen Ausgleich finden und Kraft schöpfen können.

Stillen und Arbeiten – wie geht das?

Familie und Beruf, Stillen und Arbeiten – Frauen haben heutzutage so viele Möglichkeiten und Herausforderungen gleichzeitig zu meistern. Stillen ist die natürlichste Art, das Baby zu ernähren. Durch den liebevollen Hautkontakt wächst die Bindung zwischen Mutter und Kind weiter und viele Frauen wollen nicht darauf verzichten, auch wenn die Arbeit ruft. Christina Hinderlich gibt Tipps für die Organisation, wenn es darum geht, Stillen und Arbeiten gleichzeitig zu meistern.

Ausgleich zum Alltag schaffen

Wenn Sie sich für eine Auszeit vom Beruf entschlossen haben, dann können Sie es deutlich langsamer angehen lassen. Aber auch hier brauchen Sie Momente, in denen Sie einen Ausgleich zum Alltag mit Baby finden und individuelle Kraftquellen für sich entdecken und nutzen können. Das Leben mit einem oder mehreren Kindern kann sehr erfüllend sein, es ist aber auch anstrengend. Pures Glück ist nicht der Begleiter im Alltag. Glück ist bestimmt da und schaut in einigen Momenten vorbei. Vielleicht werden Sie sich auch immer mal wieder dabei entdecken, dass Sie jemanden vermissen. Ein Gegenüber, mit dem Sie sich auf Augenhöhe austauschen können oder auch eine intellektuelle Herausforderung. Ein paar Stunden am Abend, wenn der Partner zu Hause ist, sind nicht immer pure Harmonie und auch nicht ausreichend. Suchen Sie sich kleine Herausforderungen. Etwas, was Sie vielleicht schon immer mal tun wollten, aber bisher im Alltag keine Zeit hatten.

Überforderung

Manchmal kann einem in den ersten Wochen und Monaten mit dem Baby auch alles zu viel sein. Versuchen Sie, gut auf sich zu hören und zu schauen, wie es Ihnen geht. Sprechen Sie dann ohne Scheu mit dem Partner, um gemeinsam nach einer Lösung und Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Vielleicht sind Ihre Ansprüche oder Vorstellungen an das Leben mit Kind auch etwas zu gross. Das ist nicht selten der Fall, gerade wenn man sein erstes Baby bekommt. Niemand kann einem sagen, wie man sich als Mutter fühlt, bis man selbst Mutter geworden ist. Die eigenen Ansprüche und auch die des Partners neu zu überdenken, wenn das Baby auf der Welt ist, kann hilfreich sein. Und auf der ganz praktischen Ebene ist es hilfreich, wenn man für die ersten Wochen Hilfe bekommen kann, sei es bei der Kinderbetreuung oder im Haushalt.

Hilfe bei unguten Gefühlen

Es nicht immer mit einer Unterstützung getan. Rund 10 bis 20% aller Mütter in Deutschland, Österreich und der Schweiz erkranken in den ersten beiden Jahren nach einer Geburt an einer Peripartalen Depression. Es kann ein Gefühl von Überforderung, aber der Verlust von Freude und Glück sein oder sogar Angst- und Zwangsstörungen, die sich entwickeln können. Der deutsche Verein Schatten und Licht ist eine Selbsthilfegruppe für Krisen rund um die Geburt. Er bietet erste Hilfestellungen an und hat auch einen Selbsteinschätzungsbogen auf seiner Internetseite. Nicht alle Frauen spüren sofort ein riesiges Glück, wenn das Kind da ist. Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Traurigkeit und Schlaf- und Ruhelosigkeit sind Gefühle, die viele Frauen wahrnehmen, doch sie schämen sich sogar dafür. Statt offen darüber zu reden, erzählen sie es niemanden und ziehen sich immer mehr zurück. Sie sind nicht alleine mit diesen Gefühlen. Vertrauen Sie sich jemanden an. Auf diese Weise holen Sie sich Unterstützung, die Sie brauchen.

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