Dreimonatskoliken: Was wirklich hilft


Weleda Group·5/5/2026
Dein Baby schreit, der Bauch ist angespannt und nichts hilft? Dreimonatskoliken gehören zu den grössten Herausforderungen in den ersten Lebensmonaten. Wir erklären, warum Babys so leiden und wie Eltern ihrem Kind in dieser Phase helfen können.

Was sind Dreimonatskoliken?

Dreimonatskoliken sind krampfartige Bauchschmerzen bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten, die zu regelmässigen, teils unstillbaren Schreiphasen führen, ohne dass ein organisches Problem vorliegt.

Schon 1954 beschrieb der britische Kinderarzt Ronald Illingworth rhythmisch auftretende Schreiattacken bei Säuglingen ohne erkennbaren Auslöser. Der Begriff „Dreimonatskoliken“ – medizinisch auch Trimenonkoliken – hat sich bis heute gehalten. Typische Zeichen sind ein angespannter Bauch, angezogene Beinchen und ein Baby, das sich einfach nicht beruhigen lässt.

Warum haben Babys Bauchschmerzen in den ersten Monaten?

Die Verdauung eines Neugeborenen muss sich erst vollständig entwickeln. Dieser Reifungsprozess beginnt direkt nach der Geburt und braucht Zeit.

Im Mutterleib war der Magen-Darm-Trakt kaum gefordert. Nach der Geburt ändert sich das schlagartig: Darmbakterien besiedeln den Darm, Verdauungssekrete setzen ein, und bereits am ersten Lebenstag wird der erste Stuhlgang ausgeschieden: das sogenannte Mekonium. Mit Beginn des Stillens verändert sich der Stuhl rasch in Farbe und Konsistenz. Manche Babys tun sich mit dieser Umstellung schwerer als andere. Die gute Nachricht: Nach dem dritten Monat bessern sich die Beschwerden meist spürbar.

„Die Welt ausserhalb des Mutterleibs ist für ein Neugeborenes intensiv. Viele Babys leiden am Abend besonders, wenn die Tageseindrücke verarbeitet werden müssen.”

Einfach nur Bauchweh - oder steckt mehr dahinter?

Neben der unreifen Verdauung kann auch die schiere Flut an Reizen der noch unbekannten Welt dazu beitragen, dass Babys weinen und sich nicht beruhigen lassen.

Licht, Lärm, Kälte, Bewegung: Die Welt ausserhalb des Mutterleibs ist für ein Neugeborenes intensiv. Viele Babys leiden am Abend besonders, wenn die Tageseindrücke verarbeitet werden müssen. Manche Hebammen sprechen liebevoll von „Gebärmutterheimweh“. Den Wechsel von der Geborgenheit und Rundum-Versorgung im Bauch in diese so ganz neue Welt zu bewältigen, fällt manchen Kindern schwerer als dem anderen.

Ein solches Baby ist dann sehr unruhig, weint vermehrt und lässt sich auf keinen Fall ablegen. Manche Kinder beruhigen sich gut beim Stillen an der Brust. Andere wiederum sind selbst dafür gerade zu aufgeregt. Die Tageseindrücke müssen ebenso verdaut werden wie die Milch. Dabei braucht ein Baby die Unterstützung von Menschen, die es halten und mit ihm zusammen aushalten, dass es gerade kompliziert ist. Ob es nun Bauchweh oder Gebärmutterheimweh ist, lässt sich oftmals nicht sagen. Aber letztlich ist es auch gar nicht entscheidend, dass man den genauen Grund kennt. Stattdessen ist es wichtig, dass die Eltern ihr Baby gut durch diese vor allem emotional sehr anstrengende Phase begleiten können.

Was kann ich konkret tun, wenn mein Baby schreit?

Hier sind neun Tipps aus dem Hebammenalltag:

Es gibt kein Allheilmittel. Aber es gibt bewährte Wege, die vielen Babys Erleichterung bringen und auch dir als Elternteil helfen, diese Phase zu tragen.

1. Sanfte Bauchmassage

Eine Bauchmassage im Uhrzeigersinn entspannt den Darm. Diese sollte aber nicht in der ganz akuten Phase durchgeführt werden, wenn der Bauch gespannt ist. Massiere dein Baby, wenn es gerade etwas entspannter ist, zum Beispiel auf dem Wickeltisch. Besonders hilfreich: ein mildes Öl für den Bauch, zum Beispiel das Weleda Baby Bäuchleinöl mit Fenchel und Kamille – beides Pflanzen, die traditionell bei Blähungen eingesetzt werden.

2. Wohltuende Wärme

Ein erwärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf dem Bauch kann Krämpfe lösen. Wichtig: immer die Temperatur (maximal körperwarm) prüfen und niemals heiss auflegen!

3. Tragen und Halt

Das Tragen im Tragetuch, in der Tragehilfe oder im Fliegergriff auf dem Unterarm beruhigt viele Babys auch bei Trimenonkoliken schnell und effektiv.

4. Stillen nach Bedarf

Auch bei Bauchweh nicht einschränken. Das Saugen entspannt und die Nähe wirkt beruhigend. Für die Empfehlung, kurze Stillabstände zu meiden, da sonst „frische“ auf anverdaute Muttermilch im Magen trifft, was zu mehr Bauchschmerzen führen könne, gibt es keinerlei Evidenz. Muttermilch ist leicht verdaulich. Darum sind häufige Stillmahlzeiten auch in kurzen Abständen ganz normal und sollten nicht unterbunden werden. Das Stillen nach Bedarf ist ausserdem wichtig, um die Milchproduktion den Bedürfnissen des Babys anzupassen.

5. Ernährung der stillenden Mutter

Die meisten Lebensmittel haben keinen nachweisbaren Einfluss auf Babys Bäuchlein. Ballaststoffe und Gase gehen nämlich nicht in die Muttermilch über.

Es gibt also keine Belege dafür, dass Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen oder auch Sprudelwasser bei Babys Bauchweh verursachen. Wenn das Baby trotz dieser Erkenntnisse offensichtlich empfindlich reagiert, nachdem die Mutter bestimmte Lebensmittel gegessen hat, können diese versuchsweise weggelassen werden – oft führen diese bei der Mutter selbst zu Blähungen. Die meisten Kinder zeigen jedoch keine Beschwerden, deshalb ergibt eine prophylaktische Enthaltsamkeit keinen Sinn. Sie kann im Gegenteil dazu führen, dass Mütter sich zu einseitig ernähren oder kürzer stillen.

„Einzig Kuhmilchprodukte können bei bis zu 15% der betroffenen Babys eine Rolle spielen. Das lässt sich in Absprache mit Hebamme oder Kinderärztin testen. Ein prophylaktisches Vermeiden aber ist nicht sinnvoll.”

6. Bewegung & Rhythmus

Wiegen, Schaukeln, Tanzen – ruhig und gleichmässig. Eltern sollten nicht zu viel und alles auf einmal versuchen, damit durch all die gut gemeinten, vermeintlich lindernden Massnahmen keine neue Reizüberflutung entsteht. Weniger ist oft mehr. Die grosse Herausforderung besteht für Eltern darin, in der eigenen Mitte zu bleiben, wenn das Kind gerade so ausser sich ist. Dabei kann die Konzentration auf die eigene Atmung oder ganz bewusst gesetzte Schritte sehr hilfreich sein.

7. Nähe und Wärme durch Körperkontakt

Im Hautkontakt mit seinen Bezugspersonen zu sein, beruhigt sich das Baby nachweislich.

8. Ruhe bewahren

Das klingt leichter als es ist. Aber deine Ruhe überträgt sich auf dein Baby. Tiefes Einatmen, gleichmässige Schritte oder der Fokus auf die eigene Atmung können dir helfen, auch in herausfordernden Situationen ruhiger zu bleiben.

9. Hilfe annehmen

Familie, Freunde und Freundinnen oder die Hebamme: Diese Phase müssen Eltern nicht allein durchstehen. Die Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme ist bis zu zwölf Wochen nach der Geburt möglich und auch für solche Momente da.

Wann sollte ich mit meinem Baby zur Kinderärztin?

Wenn weitere Symptome hinzukommen oder das Schreien ungewöhnlich klingt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden, ob eine organische Ursache vorliegt.

Achte besonders auf folgende Zeichen und suche zeitnah eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt auf:

  • Erhöhte Körpertemperatur oder Fieber
  • Erbrechen oder stark reduzierte Nahrungsaufnahme
  • Gewichtsprobleme oder auffällige Blässe
  • Blut im Stuhl
  • Anhaltendes, schrilles Schreien (kann auf Darmprobleme wie Invagination oder Hernien, einen Eingeweidebruch, meist an der Leiste, hinweisen)

Auch bei sogenannten Regulationsstörungen, wenn Schlafen, Trinken und Schreien dauerhaft aus dem Gleichgewicht geraten, gibt es Unterstützungsangebote wie Schreiambulanzen oder die Emotionelle Erste Hilfe.

Wie lange dauern Dreimonatskoliken?

Die meisten Babys zeigen ab dem dritten Lebensmonat deutliche Besserung – auch wenn die ersten Wochen sich manchmal wie eine Ewigkeit anfühlen.

Drei Monate können sich lang anfühlen – besonders nachts, wenn nichts hilft und du am Ende deiner Kräfte bist. Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst. Dein Baby weint nicht, weil du versagst. Es weint, weil es ankommen muss in dieser neuen Welt. Und du bist genau die beste Begleitung dabei.

Häufige Fragen zu Dreimonatskoliken (FAQ)

Was sind typische Anzeichen für Dreimonatskoliken?  Angezogene Beinchen, ein gespannter Bauch und langes, untröstliches Weinen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden, sind typische Zeichen. Die Beschwerden treten regelmässig und ohne klaren äusseren Auslöser auf.

Ab wann beginnen Dreimonatskoliken und wie lange dauern sie?  Sie können bereits in den ersten Lebenstagen auftreten und bessern sich in der Regel nach dem dritten Lebensmonat deutlich.

Können Dreimonatskoliken behandelt werden?  Es gibt keine einheitliche Behandlung. Bewährt haben sich sanfte Bauchmassagen, Wärme, Tragen und das Stillen nach Bedarf. Sprich mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin, bevor du Arzneimittel oder Naturheilmittel einsetzt. Tee ist für Babys im ersten Lebenshalbjahr nicht empfohlen. Erst ab dem Beikostalter (nach dem 6. Lebensmonat) kann zusätzliches Wasser und in seltenen Ausnahmefällen ein geeigneter ungesüsster Kräutertee angeboten werden.

Muss ich als stillende Mutter auf bestimmte Lebensmittel verzichten?  In der Regel nein. Wissenschaftlich belegt ist nur, dass bei einem kleinen Teil der Babys Kuhmilchprodukte eine Rolle spielen können. Probeweiser Verzicht ist nur dann sinnvoll, wenn ein konkreter Verdacht besteht. Dies sollte immer von medizinischen Fachpersonal begleitet werden.

Wann ist ein Kinderarztbesuch notwendig?  Immer dann, wenn Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl, Gewichtsprobleme oder ein ungewöhnlich schrilles Schreien hinzukommen. Im Zweifel lieber einmal zu viel fragen als zu wenig.

Wie kann ich als Elternteil selbst gut durch diese Phase kommen?  Hol dir Unterstützung: von deinem Partner, deiner Partnerin, Familienmitgliedern oder auch Fachpersonen. Wechselt euch als Eltern ab. Auch du darfst erschöpft sein. Die Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme ist bis zu 12 Wochen nach der Geburt möglich und kann eine gute Unterstützung sein.